Generation Corona-Party (Teil 2) - Zeit für ein paar unbequeme Wahrheiten

Die Infektionszahlen in Deutschland steigen in Besorgnis erregender Dimension an. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Einer davon ist eine Regierungskommunikation, die in bestimmten Bevölkerungskreisen keinerlei Wirkung erzielt. Nämlich bei den Jüngeren und in bestimmten Kreisen der nicht deutschstämmigen Bevölkerung. Was sollte sich ändern? Es ist Zeit für eine selbstkritische Reflexion und für ein paar unbequeme Wahrheiten.

Die Zahlen steigen wieder. Erst die Zahl der Parties und in lauen Sommernächten Feiernden, daheim und im Urlaub. Die Zahl der Auslandsreisen und Rückkehrenden. Und dann die Zahl der Neuinfizierten. Dieser Kommentar ist verfasst an den Tagen, als erstmal die Zahl von 1.500 und 1.700 Neuinfizierten an einem Tag überschritten wurde, so viel wie zuletzt im Mai,dann sogar die 2.000er-Schwelle (zuletzt April). 

Und ob die Berliner Politik-Beschlüsse am letzten August-Donnerstag mit ihrer Mixtur aus  uneinheitlichen Einschränkungen bei privaten feiern, Quarantäne-Regeln für Urlaubsrückkehrer und Bussgeldern bei Maskenverstoß an dieser Entwicklung etwas einschneidend ändern werden? Man darf zweifeln.

Das Infektionsgeschehen breitet sich im ganzen Land aus, es gibt dafür eine Reihe an Ursachen und Brandherden. Aber zwei große Gruppen sind besonders auffällig: Junge Generation und Urlaubsrückkehrer. Schauen wir uns dies genauer an. 

Das RKI und die Politik haben sich lange zurückgehalten, wenn es darum ging, genauer darzulegen, wie die Zahlen der Infizierten sich soziologisch zusammensetzen. Es wurde lange von einzelnen lokalen Brandherden gesprochen. Mal war es eine Fleischfabrik, mal eine pfingstkirchliche Gemeinde, mal eine (arabische) Großfamilie in einem Hochhaus, mal eine Großbeerdigung im libanesischen Clan-Milieu.

Aber inzwischen wird das Bild deutlicher und die Kommentierung durch die verantwortlichen Politiker auch etwas klarer. Das Durchschnittsalter der Infizierten ist inzwischen auf eher knapp 30 Jahre gesunken. Und das bedeutet im Klartext: die Jungen im Lande (20 - 25 Jahre) halten sich nicht mehr zurück. Vor allem in den Großstädten und am Wochenende ist es unübersehbar. Die Jungen feiern wieder, in den Cities, in und an den Altstadt-Kneipen, in den Parks und am Flussufer. Ohne Abstand und ausufernd. Warnungen von Politik und Wissenschaft verhallen im Partysound. 

Das ist die eine unbequeme Wahrheit. Wir haben die Jungen ein Stück weit verloren. Das andere ist eine ebenso unbequeme Wahrheit, die von den Nachrichten als "Urlaubsrückkehrer aus dem Westbalkan" genauso unpräzise-schummrig umschrieben wird wie das schon vor Wochen bei der Chiffre "Großfamilien" geschah, die als Infektionsherde in Hochhäusern ausgemacht wurden. Urlaubsrückkehrer aus dem Süden sind generell eine Infektionsgefahr. Aber bei den Balkan-Reisenden ist ein genauerer Blick vonnöten. Bei den Urlaubs-Rückkehrern aus dem Westbalkan handelt es sich aber nicht in erster Linie um Strandurlauber. Obwohl natürlich auch Strandurlauber das Virus aus kroatischen Stränden vermehrt mit zurück bringen. Sondern vor allem sind es Kosovaren und Kosovo-Albaner, die ihre Groß-Familien besucht haben, offensichtlich ohne besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Es sind weiterhin Türken und Araber, die vom Besuch ihrer Großfamilien aus der Türkei, anderen Balkan-Staaten und weiteren Ländern zurückkommen. Vielleicht darf an dieser Stelle dezent darauf hingewiesen werden, dass es sich, jedenfalls mehrheitlich, um Rückkehrer aus moslemischen Kulturen handelt, die die Krankheit von dort nach Deutschland zurückbringen. Dieser Hinweis kommt in aller Regel von der Politik und den Medien nicht. Er ist aber für eine Gesamtanalyse wichtig, denn auch muslimische Gebetsversammlungen waren ja schon Auslöser lokalen Infektionsgeschehens. Ist es vielleicht in Wahrheit so, dass das nötige Abstandsgebot im muslimischen Großfamilienmilieu gar nicht durchsetzbar ist? Aus welchen Gründen auch immer, das Phänomen bedarf eines neuen kritischen Blicks von Politik, Behörden und Medien. Denn erst eine klare Erkenntnis, warum gerade in diesen Zusammenhängen Infektionsherde anbrennen, ermöglicht wirksame Antworten in der Kommunikation und der Durchsetzung von Regeln durch die Behörden.

Für eine Analyse ohne Political Correctness-Scheuklappen sind solche Beobachtungen von Bedeutung. Denn es geht nun zunehmend ums Ganze, um unser aller Gesundheit und Sicherheit. Es kann nicht hingenommen werden, dass diese von bestimmten Gruppen zunehmend gefährdet wird, die sich nicht an die Regeln halten. 

Es sind also, im Klartext, derzeit Teile unserer Jungen und muslimisch-arabische Bevölkerungsgruppen.

Und nun? Wird es wohl Zeit für ein paar weitere unbequeme Wahrheiten. Sprechen wir einmal ein paar davon aus.

Warum halten sich diese Gruppen nicht mehr an die Regeln? Kann es sein, dass unsere regierungsamtliche Kommunikation komplett an ihnen vorbei geht? Regierungsamtliche "Warnungen" einer Kanzlerin im gesetzten Alter und im Hosenanzug, vorgetragen mit bieder-ernster Miene. Der erhobene rhetorische Zeigefinger des Gesundheitsministers und der Ministerpräsidenten im staatstragenden dunkelblauen Anzug. Die im Stakkato vorgetragenen Belehrungen der Virologen und des RKI-Präsidenten in nicht unkompliziertem Deutsch. Die tägliche Krisen-Berichterstattung der Medien mit den immer gleichen Negativ-Beschwörungen - all das wird von immer größeren Teilen der jungen Generation offenbar gar nicht mehr ernst genommen. Es verfängt nicht. es wird belächelt. Es wird ignoriert.

Und bei den angesprochenen  nicht-deutschstämmigen Bevölkerungskreisen? Stellen wir uns auch hier unbequemen Wahrheiten. Werden diese von den hiesigen Medien überhaupt erreicht? Lesen sie überhaupt deutsche Lokalzeitungen, schauen Sie Fernsehnachrichten in ARD und ZDF? Und weiter: Libanesische Großclans haben sich schon vorher nicht an die Regeln gehalten. Die deutsche Polizei ausgelacht. Glaubt jetzt ernsthaft jemand, sie würden sich jetzt an unsere Corona-Schutzregeln halten, wenn sie sich zum Beispiel zu einer Großbeerdigung treffen? Sehen die in Deutschland lebenden Kosovaren unsere Politiker und Behörden überhaupt als eine Autorität an, der sie folgen wollen? Hören bestimmte Teile der deutsch-türkischen Bevölkerung auf Kanzlerin und Gesundheitsminister - oder sitzt die von ihnen gesuchte Autorität eher in Ankara? 

Und unsere jungen Deutschen, die zum Feiern übergegangen sind? Schon vorher weitgehend unpolitisch bzw. politisch abstinent. Ganz offensichtlich ignorieren sie unsere Regierungen, Behörden, staatlichen Autoritäten - und deren Kommunikation. Und jetzt eben aktuell auch die Corona-Regeln. 

Das sind alles Fragen, die sich schon vor Corona stellten. Jetzt stellen sie sich noch drängender. Die große Zurückhaltung von Politik und Medien - um sich keinem Rassismus-Verdacht auszusetzen - ist ein Stück weit verständlich. Aber wir können uns das jetzt nicht länger leisten. Eben weil eine genügend große Zahl an Regelbrechern unser aller Schicksal werden könnte.

Fazit: Es ist hoch an der Zeit, dass die politische Corona-Kommunikation umgestellt wird. Bislang gab es da im Wesentlichen die gleichen Botschaften für alle. In der Erwartung, dass die gesamte Bevölkerung es versteht - und sich daran hält. Aber, dies ist die letzte unbequeme Wahrheit in dieser Kolumne, das ist eben nicht der Fall. Es tut nur ein großer Teil der Bevölkerung. Das wird aber nicht reichen, um uns alle zu schützen.

Es ist höchste Zeit, dass sich unsere Bundes- und Landesregierungen noch einmal gründlich mit Kommunikations-Experten beraten. Alle Botschaften für alle gleich auf den üblichen Kanälen, das funktioniert offensichtlich nicht. Vorschläge für eine andere kommunikative Ansprache der Jüngeren sind an dieser Stelle schon gemacht worden (https://markus-kiefer.eu/kolumne/generation-corona-party/). Noch drängender stellt sich die Notwendigkeit, eine spezielle Ansprache der genannten nicht-deutschstämmigen, vor allem arabisch-muslimischen Bevölkerungskreise zu entwickeln.

Ganz sicher stehen die Regierenden in der Beratung von PR-Experten. Sie sollten aber den Kreis erweitern. Stark könnten die Verantwortlichen für die Regierungskommunikation von einem Austausch mit BWLern und Marketing-Wissenschaftlern profitieren. Hier ist es selbstverständlich, seit langem, dass man nicht einfach einen Massenmarkt undifferenziert bearbeitet. Das Denken in unterschiedlichen Zielgruppen und Segmenten, das immer auch einer unterschiedlichen Kommunikation bedarf, ist hier selbstverständlicher Standard. Und wird seit geraumer Zeit sogar immer mehr in Richtung einer individualisierten Ansprache in der Perspektive des "Targeting" noch weiter vorangetrieben, unterstützt von den wissenschaftlichen Fortschritten um Biga Data und Künstliche Intelligenz. Es scheint, dass Politik- und Behördenkommunikation hier einiges abschauen könnten - und dies auch sollten. Noch ist es nicht zu spät, eine differenziertere Corona-Kommunikation des Staates aufzubauen. 

 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. September 2020 auf www.markus-kiefer.eu)  

Erschienen am 01/09/2020 09:05
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt
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