Versprechen auf Wiedervorlage - ein Neujahrsvorschlag

Wirtschaft und Unternehmen verzeichnen weltweit Vertrauens- und Glaubwürdigkeits-Verluste. Was sollten die Männer und Frauen in den Unternehmensleitungen dagegen tun? Ein konkreter Doppelvorschlag für die kommende Kommunikations-Planung.

Egal, welche Umfragen und welche wissenschaftliche Studie man heranzieht, die Glaubwürdigkeits-Krise der Wirtschaft ist unübersehbar. Der Trend ist in globaler Perspektive eindeutig. Und Deutschland entzieht sich ihm nicht. Den Aussagen von Unternehmen traut die Öffentlichkeit gerade einmal zur Hälfte. Und noch schlimmer werden die Zahlen, wenn man nach der Vertrauenswürdigkeit der Kommunikation von Spitzenmanagern fragt.

Was ist zu tun? Zunächst einmal lohnt ein Blick auf die Kategorien von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Vertrauen entsteht dadurch, dass die Summe unserer Erfahrungen mit dem Gegenüber mehrheitlich positiv gewertet wird. Es wird somit auch ein Vorschuss auf die Zukunft gegeben, weil wir wissen, dass das Einlassen auf den anderen zumeist lohnenswert und verlässlich war. Eben deswegen tun wir es in der Zukunft wieder. Und Glaubwürdigkeit entsteht durch das Einlösen von Versprechungen und Ankündigungen. Wenn immer wieder erkennbar wird: Hier tut einer, was er sagt. Wenn er offensichtlich lebt, was er selbst fordert und verspricht. Anders herum, wer Wasser predigt und Wein trinkt, wird ebenso wenig glaubwürdig wie derjenige, der anderen Wein verspricht - aber immer nur Wasser liefert, oder, noch schlimmer, gar nichts liefert.

Was folgt aus dieser sicheren Erkenntnis, die Psychologie und Betriebswirtschaftslehre über diese beiden fundamentalen Voraussetzungen erfolgreicher Marktteilnahme bereitstellen?

Ein konkreter Doppel-Vorschlag für die persönliche Kommunikation von Spitzenmanagern und Unternehmern sei an dieser Stelle vorgelegt. Das Top-Personal von Unternehmen steht unter ständigem Druck der verschiedenen Stakeholder. Es ist verständlich, diesem Druck immer wieder durch Versprechen und Ankündigungen zukünftiger Leistungen nachzugeben. Allerdings, wer allen alles verspricht, aber auch wer insgesamt zu oft und zu viel verspricht, der kommt ohnehin schon schnell in den Geruch von mangelnder Stabilität. Weitreichende Ankündigungen und Versprechen gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Aktionären etc. sollten stärker begrenzt werden. Es würde sicher Sinn machen, eine Liste oder sogar eine umfassende Stakeholder-Matrix anzulegen und somit eine Übersicht, wem gegenüber unterjährig welche weitreichenden Ankündigungen gegeben wurden. Und wenn diese Liste oder Matrix auf einmal von Spots wimmelt, dann sollte das Top-Management selbstkritisch innehalten und in die Reflexion gehen. Die Schwelle zum Ankündigungs-Weltmeister und Marktschreier ist dann manchmal nicht weit entfernt. Tempo rausnehmen, Korrekturen, Reduktionen sind dann sicher angebracht.

Das ist das eine. Der zweite sinnvolle Schritt wäre ein Mechanismus, der die selbst gegebenen Versprechungen in einem bestimmten Zeitraum auf die Wiedervorlage legt. Beispielsweise in einem Vierteljahr oder aber in einem halben Jahr. Und dabei ist es egal, ob dies eine automatische Erinnerung in Outlook, durch die Assistentin oder durch den Verantwortlichen der Unternehmenskommunikation ist. Es geht um eine Funktion, die sicherstellt, dass es nach einem bestimmten Zeitraum mindestens eine Zweitinformation und oder auch weitere Kommunikations-Aktivitäten zu einem einmal öffentlich gemachten Versprechen gibt. Das muss ja keineswegs in jedem Fall die Erfüllung des Versprechens sein. Aber doch mindestens irgendeine eine Message, was daraus geworden ist, wie der Stand der Dinge ist.

Nichts ist schlimmer für die öffentliche Wahrnehmung eines Topmanagers oder verantwortlichen Unternehmers, als wenn seine Stakeholder den Eindruck gewinnen, dass vollmundigen Ankündigungen meistens nicht folgt oder man einfach nicht mehr, nie mehr darauf zurückkommt.

Die beiden vorgeschlagenen Mechanismen wären ein konkreter Anfang für das Spitzenpersonal an den Schalthebeln unserer Unternehmen, um sich selbst vor einer solchen Glaubwürdigkeits-Falle zu bewahren. Und dies wäre kein schlechter erster Schritt für das Kommunikations-Jahr 2020.

 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Januar 2020 auf www.markus-kiefer.eu) 

Erschienen am 01/01/2020 11:26
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt