Kommunikativer Erfolgsfaktor

Der Leser ist es gewohnt, an dieser Stelle Rezensionen zu Büchern zu finden, die einen fachwissenschaftlichen oder praktischen Kontext zu Public Relations, Kommunikationsmanagement oder Marketingkommunikation aufwiesen. Inwiefern passt dann ein Buch, das Körpersprache in den Mittelpunkt stellt?

Es passt! Das macht die Verfasserin schon auf den allerersten Seiten des von GABAL hochwertig gestalteten 223 Seiten starken Paperbacks (incl. Stichwortregister und Angaben zur Autorin) sehr deutlich. Denn das Buch geht eindeutig über einen Praxis-Ratgeber hinaus, als was es der Verlag - vielleicht sogar zu bescheiden - ausweist. Das liegt an der Ausbildung und fachwissenschaftlichen Kompetenz der Verfasserin. Monika Matschnig schöpft aus mehreren, reichlich sprudelnden Kompetenzquellen. Als ehemalige österreichische Leistungs- und Spitzensportlerin hat sie reichhaltige Erfahrung mit der Deutung und Bedeutung körpersprachlicher Signale in Wettkampfsituationen. Als diplomierte Psychologin schöpft sie souverän aus den fachwissenschaftlichen Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie. Als Trainerin coacht sie seit langem Spitzenpersonal der Wirtschaft. Wichtige Fernsehsender setzen auf sie und stellen sie in Talkshows und ähnlichen Formaten als führende Expertin für Körpersprache vor.

Kommunikative Wirkung besteht aus mehr denn als wohl gesetzten und im richtigen Moment eingesetzten Worten. Sie beruht sogar ganz überwiegend auf optischen und akustischen Eindrücken, also auf Aussehen, Auftreten, Haltung, Körpersprache und Stimme.  Matschnig baut aus diesen gesicherten Erkenntnissen der universitär-psychologischen Forschung auf. An diese gesicherten Grundlagen erinnert sie in Kapitel 1. Jeder Körper spricht anders, spricht individuell. Man kann nicht über jeden Menschen eine Blaupause mit dem gleichen Analyseraster legen. Das könnte zu Fehldeutungen führen. Aber es gibt psychologisch gesicherte Grundmuster, die durchaus konkret beschreibbar sind. Mit denen man Gang, Sitzhaltung, Stand, Gesten und Bewegungen des Kopfes, des Rumpfes, der Augen, der Füße deuten kann. Es kommt darauf an, dass wir im Gegenüber erkennen, was Monika Matschnig dessen "Baseline" nennt, das Normalverhalten der Person, mit der wir zu tun haben, vielleicht sogar regelmäßig zu tun haben. Abweichungen gilt es zu erkennen und entsprechend zu deuten. Das was im Text beschrieben ist, wird sofort mit hochwertigen Fotos abgebildet, gut erklärt durch kompakte, präzise Bildunterschriften. Diese Bildstrecken illustrieren das gesamte Buch in allen Kapiteln durchgängig. Das ist ein besonderer Vorzug der Publikation. Eine Checkliste mit jeweils zehn Grundregeln fasst in jedem der insgesamt sieben Hauptkapitel die wichtigsten Lern- und Merkposten zusammen. Wo es sich anbietet, ergänzt die Verfasserin am Kapitel-Ende noch mit ein paar konkreten Überlegungen zur Bildersprache in Social Media, wo es sich ja um gezieltes Impression Management von Personen geht. Wertvoll dürfte das insbesondere für aktuell Betroffene sein, die im Kapitel 2 nachlesen, auf welche Körpersprache es in Vorstellungsgesprächen ankommt. Denn dies beginnt ja schon im Vorfeld, beim passend gestalteten Bewerber-Foto.

Kapitel 3 thematisiert die Körpersprache in der Verständigung unter Kollegen im gleichen Betrieb, differenziert beschrieben mit spezifisch weiblicher bzw. männlicher Körpersprache. Kapitel 4 (Präsentationen) macht sehr deutlich, dass hochwertig gestaltete Power Point Charts nicht alles sind, im Gegenteil, dass sie sogar dem Präsentator die Show stehlen könnte. Wie es anders geht und wie weniger und dafür richtig gestaltete Charts einen wirkungsvollen persönlichen Auftritt gestalten können, erfährt der Leser in einer Art und Weise, die sofort anwendbar und umsetzbar ist.    

Kapitel 5 arbeitet die Spezifika der Körpersprache in Verkaufs- und Vertriebsgesprächen. Kapitel 6 gibt noch einmal spezifische Empfehlungen für Führungskräfte.

Eine kostbare Perle ist das abschließende Kapitel 7, in welchem Monika Matschnig ihr Thema in einen interkulturellen Kontext stellt. Was in dem einen Land Türöffner sein kann, ist in einem anderen Land absolutes Tabu. Die Lernkurve beginnt schon mit drei fundamentalen Fragen: Kommuniziere ich in einer monochronen Kultur (eine Aufgabe nach der anderen) oder einer polychronen Kultur (Verfolgung mehrerer Aufgaben gleichzeitig). Agiere ich in einer Gesellschaft, die das Zeigen starker Emotionen fordert oder in einem eher zurückgenommenen, rationalen kulturellen Kontext. Gilt mehr hierarchisches Denken oder mehr Team-Denke? Diese Erkenntnisse fordern jeweils unterschiedliche Ausdrücke - im Gesicht, in der Lautstärke der Stimme, im Abstand zum Gesprächspartner, in der Frage der Berührungen. Monika Matschnig gibt die Antworten, was im beruflichen Kontext zu tun und was zu vermeiden ist. Und zwar sehr konkret, herunter gebrochen auf unterschiedliche Kontinente, ja übersetzt auf herausgehobene einzelne Länder. Heraus gekommen ist ein Business-Knigge von internationalem Wert. Allein schon dieses dreißigseitige Schlusskapitel lohnt eine konzentrierte Befassung mit dem Buch.  

Man nimmt das Buch in der Gewissheit in die Hand, wertvolle allgemeine Hinweise zur Körpersprache von einer Fachfrau von Rang zu erhalten. Diese Erwartungshaltung wird in jedem Fall erfüllt. Aber heraus gekommen ist weit mehr als ein weiteres gutes Fachbuch zur Körpersprache. Das Buch ist ein gut reflektierter, anwendungsstarker Führer zu einer guten, authentischen persönlichen Kommunikation, vor allem im beruflichen Kontext.

Markus Kiefer 
(Kolumne von Markus Kiefer vom 15. Mai 2019 auf www.markus-kiefer.eu)
 

 


 

Lektüre-Empfehlung


 

Monika Matschnig, Körpersprache. Macht. Erfolg, GABAL, Offenbach 2019, 222 S.


 

 

Erschienen am 19/05/2019 21:50
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Für Sie gelesen