Aus welchen Quellen schöpft Ihre KI?

KI-Modelle nützen Medienquellen in sehr unterschiedlicher Weise für ihre Antworten. Dies jedoch dürfte den wenigsten Usern voll bewusst sein.

 

Aus welchen Quellen schöpft Ihre KI - wissen Sie es? Oder stellen Sie sich die Frage gar nicht ernsthaft? Das sollten Sie jedoch besser tun!

Eine große Zahl der Deutschen nützt inzwischen mit einem Regelmaß populäre KI-Systeme. Zu ganz unterschiedlichen Zwecken. Und so ist es gewiss nicht erforderlich, bei jeder Antwort auf jede Frage die Quellen genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei sensiblen Anfragen aber sollte ein genauer Blick auf die Antwort geboten sein. Schon aus Gründen der eigenen Seriosität, Professionalität und nicht zuletzt aus einem gewissen ethischen Eigenanspruch heraus.

Die Ursprungsversionen von Chat GPT und Co. hatten anfangs die Quellen zu den Antworten gar nicht ausgewiesen. Erst auf Nachfrage erhältlich sozusagen. Inzwischen werden sie bei den meisten Systemen automatisch ausgewiesen. Da haben sich die Konkurrenten schnell angepasst. Viele werden den Quellennachweis aber vermutlich überspringen. Direkt zur Textantwort gehen und diese auf Schlüssigkeit oder schnelle Einsetzbarkeit zum eigenen Zweck einsetzen.

Pragmatisches Alltagsverhalten. Verständlich, aber nicht klug. Es gibt erste wissenschaftliche Untersuchungen, die deutlich herausarbeiten, dass die eine KI bei Anfragen bei ihren Antworten öffentliche Quellen eher linksliberaler Herkunft massiv bevorzugt und ein anderes System ganz andere Medienquellen heranzieht. Perplexity und Gemini beispielsweisen nutzen bevorzugt eher linksliberale Medien. Chat GPT dagegen bevorzugt konservative Medienstimmen. Übrigens, über alle KI-Modelle hinweg, sind die deutlich am häufigsten herangezogenen Medienquellen die Seiten von "Tagesschau", "SPIEGEL" und "Frankfurter Rundschau". Schaut man im Detail, dann zeigt sich: Eine Quelle wie "tagesschau.de" wird von manchen Systemen häufig, von anderen gar nicht herangezogen.

Solchen gravierenden Unterschiede dürften den allerwenigsten KI-Anwendern bewusst sein. 

Diese Bewusstseinsschärfung scheint aber dringend notwendig. 

Wäre das nicht ein gutes Vorhaben zum neuen Jahr? Zwei konkrete Vorschläge:

  1. Es sind unzählige Experten unterwegs, die nachdrücklich zu einem Einsatz eines bestimmtes KI-Modells raten, wenn nicht sogar diese Modelle aufdrängen. Fragen wir diese Leute zunehmend nach der Quellenbasis ihrer empfohlenen Systeme und zwingen sie zu präzisen Antworten, die sie am besten auch noch quantifizieren können. Beispielfrage: Wie hoch ist die Anzahl deutschsprachiger Quellen, die Ihre KI heranzieht und wie hoch ist der Anteil ausländischer Quellen und aus welchen Regionen stammen diese? Und wie hoch ist der Anteil von anerkannten A-Medien dabei?
  2. Dieselbe Frage sollten wir dann auch den von uns bevorzugten KI-Systemen stellen, wenn sie uns die Antworten auswerfen. Und diese dann zu weiteren Antwortschleifen zwingen. Beispielfrage: Mir fällt auf, dass Deine Antworten mehrere Artikel aus der TAZ aufgreifen. Aber niemals zitierst Du die FAZ - warum ist das so und bitte berücksichtige in Deiner überarbeiteten Antwort vor allem auch Quellen wie beispielsweise FOCUS und Welt TV! Berücksichtige weniger die Tagesschau als Quelle, sondern bevorzuge Euronews!

Guter Vorsatz für 2026: Unsere bevorzugten KI-Systeme in Bezug auf ihre Quellenbasis sehr bewusst herausfordern. Durch Nachfragen und Prompts auf Konkretisierungen, Spezifizierung und Veränderungen pochen. Die Antworten werden in unserem Sinne gewinnen.

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Januar 2026 auf www.markus-kiefer.eu)

 

Erschienen am 01/01/2026 11:48
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt
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