CEO und Pressesprecher - synchrone Abgänge

Eine Tendenz bei Großkonzernen verfestigt sich. Muß der CEO gehen, geht auch sein Chefkommunikator. Man kennt das aus der Politik. Aber ist das in der Wirtschaft auch sinnvoll?

Jüngster Akt eine sich verfestigenden Tendenz. Guido Kerkhoff, CEO des angeschlagenen Technologiekonzerns Thyssen Krupp AG, gestartet mit den allergrößten Hoffnungen insbesondere der Shareholder, muss seinen Platz nach nur einem Jahr an der Spitze räumen. Kurz darauf folgt die Meldung, auch Alexander Wilke, sein Sprecher und Leiter der Unternehmenskommunikation, räumt ebenfalls seinen Schreibtisch.

Dies ist kein Einzelfall. Immer häufiger ist beobachtbar, dass mit dem Chefmanager auch der Chefkommunikator zeitgleich geht bzw. gehen muss.

Der Mechanismus ist aus der Politik wohl bekannt. Kommt ein neuer Mann oder eine neue Frau an die Spitze eines Ministeriums, dann wird regelmäßig der Chef der Presseabteilung ausgewechselt. In der Politik ist dies in vielen Fällen auch nachvollziehbar. Ein neuer Verantwortlicher mit anderem Parteibuch wird in der Regel kaum dem alten Chefkommunikator vertrauen wollen.  Der vielleicht noch kurz zuvor Munition für den alten Chef gegen den Kritiker aus der Opposition besorgte, der jetzt wiederum der neue Minister ist. Solche Wechsel sind da durchaus nachvollziehbar.

Aber nicht verständlich ist die zunehmende Adaption des Mechanismus in der Wirtschaft. Beim Wechsel an der Spitze eines Konzerns geht es ja nicht darum. den bisherigen Oppositionssprechers zum exekutiv Verantwortlichen zu machen. In der Regel geht es um Strategiewechsel oder das Einwechseln von Management-Spitzenpersonal  mit unverbrauchtem oder unangekratzem  Image. Was soll da im Weg sein, auf das sich ein hochkarätiger Kommunikationsmanager nicht neu einstellen könnte? Es hat sich je weder etwas an seinem journalistischem oder medialen Netzwerk geändert noch an seinen nachgewiesenen Fähigkeiten. Im Gegenteil, auf solcherlei Aktivposten zu verzichten, ist bedenklich. Wertvolles Humankapital wird so weggeworfen.

Alexander Wilke hatte zuvor schon für Kerkhofs Vorgänger Hiesinger gesprochen und die Konzernkommunikation verantwortet. Warum sollte das nicht auch unter Kerkhoffs Nachfolgerin funktionieren?

Es gibt ein gewichtiges Gegenargument. Studien Roland Bergers zufolge wurden in der jüngeren Vergangenheit CEÒ oftmals nicht wegen mangelnder ökonomischer Performance ausgewechselt, sondern zunehmend wegen nachlassender oder gar gebrochener öffentlicher Wahrnehmung. Gerade dies war aber, nach allem was zu lesen und zu hören war, bei Kerkhof nicht der Fall, verfolgt man die Stimmen der internen und externen Stakeholder.

So gesehen erscheint der Doppelwechsel in beiden Funktionen eher als eine unnötige Belastung des Unternehmens und der Aktionäre (doppelte Abfindung) und der Know how-Verlust in der Kommunikationsinfrastruktur eher ein Problem als eine großartige neue Option zu sein. Die Aufsichtsräte der großen Konzerne sollten hier ein wachsames Auge auf die Rahmenbedingungen des Wechsels an der Spitze achten. Einem zunehmenden Automatismus sollte hier entgegengewirkt werden.

 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1.11.2019 auf www.markus-kiefer.eu)

Erschienen am 01/11/2019 09:12
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt