Die Friday for Future-Kids in deutschen Fernseh-Talkshows

Jetzt sind sie auch in den etablierten Talkshows des deutschen Fernsehens angekommen, die jugendlichen Repräsentanten der "Fridays for Future"-Bewegung. Aber nicht alles, was dort zu sehen ist, kommt bei allen Teilen des Publikums gut rüber.

Die "Fridays for Future"-Bewegung bringt nicht nur die Politik auf Trab. Auch die Medien suchen zunehmend Bezug und laden die jugendlichen Stars der Bewegung zum Beispiel gern in die etablierten Talkshows im deutschen Fernsehen ein. Dabei sitzen sie dann zwischen etablierten Größen des Politik- und Medienbetriebs, neben namhaften Unternehmens-CEO's und Spitzenvertretern der Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften. Dabei läuft einiges anders als in den eingeschliffenen Talk-Show-Bahnen. Aber es läuft keineswegs alles akzeptabel. Gut zu besichtigen war das in Frank Plasbergs "Hart, aber fair"-Sendung in der ARD am 16. September.

 

Ein dreifaches Manko ist augenfällig, in dieser Sendung aber ebenso in vergleichbaren Talk-Formaten.

 

1. Von "Hart" kann gar keine Rede sein. Die Fragen der Plasbergs und Co. an die Schüler und Jugendlichen sind ja gar keine echten Fragen, sondern zumeist weich gespülte Steilvorlagen und Stichworte. Hartnäckige Nachfragen, Unterbrechungen bei längeren Ausführungen: Fehlanzeige. Aber das ist in dieser Form nicht akzeptabel. Das Publikum darf nämlich eine Gleichbehandlung durch den Moderator erwarten, nach gleich angelegten, strengen journalistischen Kriterien. Von Faktenchecks sollte niemand ausgenommen sein, der in öffentlichen Arenen auftritt. Und: Wer erwachsen genug ist, eine Entscheidung gegen den Schulbesuch und für gesellschaftliches Engagement in der gleichen Zeit zu treffen, wer alt genug ist, auf großen Kundgebungen öffentlich zu sprechen - der muss auch nicht von säuselnden Moderatoren mit Glacé-Handschuhen angefasst werden. Plasberg, Will, Illner und Co. sollten ihren Stil diesbezüglich schleunigst umstellen. Insbesondere da sie ja in den gleichen Sendungen amtierende Bundesminister ständig unterbrechen, provozieren und wie unreife Schuljungen vorzuführen versuchen. 

2. Es hat sich eingebürgert, dass die anwesenden Spitzenpolitiker sich bei den am Tisch bzw. im Fernsehpodium sitzenden Jugendlichen einschmeicheln und anbiedern, pro Sendung gleich mehrfach. Wenn aber das politische Spitzenpersonal der Jugend dafür dankt, dass ihnen thematisch die Beine gemacht wurden, dann wirkt diese Form der Selbstkasteiung und Unterwerfung einfach nur lächerlich und peinlich. Diese Form der billigen Rhetorik sollte sofort eingestellt werden, schon im Interesse der Politiker selbst.

3. Die bislang auftretenden Schülerinnen und Schüler sind bislang stark durch demonstrativ vorgetragene moralische Überheblichkeit aufgefallen, besonders auffällig bei Melanie Bremer in der erwähnten Sendung. Anwesende Politiker permanent zu beleidigen, auf jede Äußerung der etablierten Repräsentanten mit Augenaufschlag und zynischer Mimik zu reagieren, - alles das sind Mittel der politischen Auseinandersetzung, die sie doch vorgeblich zu bekämpfen suchen. Durch wirklich differenzierte, fakten-gesättigte Argumentation ist bislang kaum einer der "Fridays for Future"-Kids in der Fernsehöffentlichkeit heraus gestochen.  Auch hier gilt: der Ton macht die Musik. Wer für eine bessere Zukunft unserer natürlichen Umwelt kämpft, der muss nicht und er sollte auch nicht nicht die Methoden des politischen Tagesgeschäfts übernehmen. Denn dort ist die verbale Brunennvergiftung und das eingefleischte Freund-Feind-Denken allzu oft einer sachlichen Einigung im Weg. Das deutliche Ansprechen von fundamentalen Versäumnissen der Vergangenheit entbindet auch die Jugend nicht von Höflichkeit, Respekt und dem Einbringen nachprüfbarer Fakten und substantieller Argumentation. 

 

Da bleibt also noch einiges zu tun, im Interesse des Niveaus der etablierten Fernseh-Talkshows und im Interesse der politischen Debattenkultur. Unsere Moderatoren-Elite hat es in der Hand.

 

Markus Kiefer 

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Oktober 2019 auf www.markus-kiefer.eu)

 

Erschienen am 01/10/2019 08:09
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt