Mach's noch einmal, Tommy! -

Es war eine schöne Geste des ZDF für seinen erfolgreichsten Showmaster, gedacht aus Anlass des 70. Geburtstags von Thomas Gottschalk im Mai vergangenen Jahres. Allein, die Pandemie machte im vergangenen Jahr auch diesem schönen Projekt den Garaus. Eine "Wetten, dass ...?"-Sendung ohne Zuschauer und Saalpublikum war keine Option. Jetzt aber, am kommenden Samstag, am 6. November ist es aber soweit. Das ZDF erlaubt nicht nur seinem größten Showtalent, sondern auch seinem erfolgreichsten Produkt eine Rückkehr. Das ist schon ein spektakuläres Fernsehereignis, selbst wenn es bei einem ein einmaligen Comeback bleiben sollte. Kaum zu glauben, aber es ist nun schon 40 Jahre her, dass die Show, erfunden von Frank Elstner, ins Leben gerufen wurde. Und es ist nun auch schon wieder sieben Jahre her, dass sie ein Ende fand, nachdem die Moderationen von Markus Lanz die sinkende Akzeptanz beim Publikum nicht mehr aufhalten konnte. Die jetzige Rückkehr von "Wetten, dass ..." erinnert an Zeiten, in denen man im Fernsehen regelmäßig Marktanteile von um die 50 % Prozent und mehr einfahren konnte. Formate, mit denen es gelang, ein zweistelliges Millionen-Publikum zu interessieren. Ganz nebenbei waren es tolle Bühnen für die vielen Stars, Künstler und Politiker, die nicht nur sich, sondern eben auch ihre neuen Filme, Bücher, Projekte, Pläne u.a. vor der Nation ausrollen durften, freundlich mit den richtigen Stichworten versorgt durch das Plauder-Genie Gottschalk, der die Show jahrelang als Unterhaltungsfeuerwerk inszenierte. In den 80er-Jahren fanden die Ausstrahlungen ein Jahresmittel von heute kaum mehr vorstellbaren 20 Millionen Zuschauern. Zwar erreichte selbst Gottschalk bei seiner zweiten Übernahme der Show nicht mehr diese Publikumszahlen und Einschaltquoten. Aber Zahlen von 15 bis 18 Millionen Zuschauern waren auch in den 90er Jahren noch immer drin. Heute schafft das kaum noch ein "Tatort" und sehr, sehr selten die deutsche Fußballnationalmannschaft. Es waren die Zeiten, in denen Sozialwissenschaftler "Wetten, dass ..." mit einem virtuellen Lagerfeuer verglichen Ein Lagerfeuer, um das sich die Nation - und die Schweizer und die Österreicher gleich mit! - regelmäßig am Samstagabend versammelte. Hier wurden Nutzungsmotive des Publikums wie Unterhaltung, Eskapismus, Zerstreuung und Zugehörigkeit auf perfekte mediale Weise bedient. Was hier gezeigt und besprochen wurde, war Gesprächs-Thema auf der nationalen Agenda, in den Sonntagszeitungen und oft auch noch in den Tagen danach. In den 2000er-Jahren ließ die Strahlkraft der Show nach, deutlich nach. Ihr Ende hatte wenig mit dem tragischen Düsseldorfer Liveunfall von Samuel zu tun, und auch nichts mit nachlassender oder weniger ausgeprägter Moderatoren-Kompetenz von Gottschalk und Lanz. Sondern sehr viel mehr mit einer zunehmenden Fragmentierung des Publikums und der Gesellschaft. Es ist einfach sehr viel schwieriger bis fast unmöglich geworden, Medien-Formate anzubieten, deren Agenda weite Teile des Publikums binden kann. einmalig nicht und regelmässig schon gar nicht. Eine Entwicklung, die bis heute anhält. Wir leben eben im Zeitalter des Special Interest, nicht mehr des General Interest und Common Sense. Insofern ist die Rückkehr der Show am 6. November zumindest eine schöne Reminiszenz an vergangene Zeiten. Ob es bei einer einmaligen Rückkehr bleibt? Schauen wir mal, was der Großmeister der Fernsehunterhaltung noch drauf hat. Wir dürfen gespannt sein. Komm Tommy, zeig noch einmal wie es geht - und zünde das Lagerfeuer noch einmal für uns an! Markus Kiefer (Kolumne von Markus Kiefer vom 1. November 2021 auf www.markus-kiefer.eu)

Es war eine schöne Geste des ZDF für seinen erfolgreichsten Showmaster, gedacht aus Anlass des 70. Geburtstags von Thomas Gottschalk im Mai vergangenen Jahres. Allein, die Pandemie machte im vergangenen Jahr auch diesem schönen Projekt den Garaus. Eine "Wetten, dass ...?"-Sendung ohne Zuschauer und Saalpublikum war keine Option. Jetzt aber, am kommenden Samstag, am 6. November ist es aber soweit. Das ZDF erlaubt nicht nur seinem größten Showtalent, sondern auch seinem erfolgreichsten Produkt eine Rückkehr. Das ist schon ein spektakuläres Fernsehereignis, selbst wenn es bei einem einmaligen Comeback bleiben sollte.

Kaum zu glauben, aber es ist nun schon 40 Jahre her, dass die Show, erfunden von Frank Elstner, ins Leben gerufen wurde. Und es ist nun auch schon wieder sieben Jahre her, dass sie ein Ende fand, nachdem die Moderationen von Markus Lanz die sinkende Akzeptanz beim Publikum nicht mehr aufhalten konnte. 

Die jetzige Rückkehr von "Wetten, dass ...?" erinnert an Zeiten, in denen man im Fernsehen regelmäßig Marktanteile von um die 50 % Prozent und mehr einfahren konnte. Formate, mit denen es gelang, ein zweistelliges Millionen-Publikum zu interessieren. Ganz nebenbei waren es tolle Bühnen für die vielen Stars, Künstler und Politiker, die nicht nur sich, sondern eben auch ihre neuen Filme, Bücher, Projekte, Pläne u.a. vor der Nation ausrollen durften, freundlich mit den richtigen Stichworten versorgt durch das Plauder-Genie Gottschalk, der die Show jahrelang als Unterhaltungsfeuerwerk inszenierte. In den 80er-Jahren fanden die Ausstrahlungen ein Jahresmittel von heute kaum mehr vorstellbaren 20 Millionen Zuschauern. Zwar erreichte selbst Gottschalk bei seiner zweiten Übernahme der Show nicht mehr diese Publikumszahlen und Einschaltquoten. Aber  Zahlen von 15 bis 18 Millionen Zuschauern waren auch in den 90er Jahren noch immer drin. Heute schafft das kaum noch ein "Tatort" und sehr, sehr selten die deutsche Fußballnationalmannschaft. 

Es waren die Zeiten, in denen Sozialwissenschaftler "Wetten, dass ...?" mit einem virtuellen Lagerfeuer verglichen Ein Lagerfeuer, um das sich die Nation - und die Schweizer und die Österreicher gleich mit! - regelmäßig am Samstagabend versammelte. Hier wurden Nutzungsmotive des Publikums wie Unterhaltung, Eskapismus, Zerstreuung und Zugehörigkeit auf perfekte mediale Weise bedient. Was hier gezeigt und besprochen wurde, war Gesprächs-Thema auf der nationalen Agenda, in den Sonntagszeitungen und oft auch noch in den Tagen danach.

In den 2000er-Jahren ließ die Strahlkraft der Show nach, deutlich nach. Ihr Ende hatte wenig mit dem tragischen Düsseldorfer Liveunfall von Samuel zu tun, und auch nichts mit nachlassender oder weniger ausgeprägter Moderatoren-Kompetenz von Gottschalk und Lanz. Sondern sehr viel mehr mit einer zunehmenden Fragmentierung des Publikums und der Gesellschaft. Es ist einfach sehr viel schwieriger bis fast unmöglich geworden, Medien-Formate anzubieten, deren Agenda weite Teile des Publikums binden kann. einmalig nicht und regelmäßig schon gar nicht. Eine Entwicklung, die bis heute anhält.  Wir leben eben im Zeitalter des Special Interest, nicht mehr des General Interest und Common Sense.

Insofern ist die Rückkehr der Show am 6. November zumindest eine schöne Reminiszenz an vergangene Zeiten. Ob es bei einer einmaligen Rückkehr bleibt?

Schauen wir mal, was der Großmeister der Fernsehunterhaltung noch draufhat. Wir dürfen gespannt sein. Komm Tommy, zeig noch einmal wie es geht - und zünde das Lagerfeuer noch einmal für uns an!

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. November 2021 auf www.markus-kiefer.eu)   

Erschienen am 01/11/2021 08:32
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt
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