Mutig auf Chancen setzen - mit Altbewährtem und Neuem

Die Pandemie birgt, trotz dominanter Krisensymptome, auch Chancen für Neues. Unternehmen sollten sie suchen. Manchmal ist es innovativ Neues, manchmal ein kreativer Remix und manchmal entfaltet ein alter Hit ungeahnt neue Schlagkraft.

Am Jahresende 2020 schauten viele Menschen mit großer Besorgnis in die nahe Zukunft. wenn nimmt es Wunder, in einem harten Lockdown, mit überall neu aufflackernden Pandemieherden, mit hohen Infektionszahlen, mit vollen Intensivstationen, mit Nachrichten von mutierenden Viren und Rekord-Neuverschuldungen in den öffentlichen Haushalten.

Das alles kann den Blick verständlicherweise sehr eintrüben. Ängstlichkeit, Passivität und Mutlosigkeit sind menschlich verständliche Reaktionen.

Verantwortliche Unternehmer und Spitzenmanager dürfen sich diese Haltung nicht leisten. Sie müssen nach vorn schauen, wenn sie ihre Organisationen erhalten und (wieder) neu in die Erfolgsspur schicken wollen. Da gilt es, den Blick nach vorn zu richten neue Chancen zu eröffnen.

Natürlich, Selbstverständliches in den Rahmenbedingungen sind auf einmal brüchig, wenn nicht gar weg. Der scheinbar unaufhaltsame Weg zur Globalisierung, der unwidersprochen gesetzt schien, ist abrupt gestoppt. Neue Handels- und Zollschranken waren schon mit Jahresbeginn 2020 da, jetzt kommen noch Einreisetopps, Ausfuhrverbote und immer wieder neue Grenzziehungen und Kontrollen hinzu. Dafür setzen viele Länder wieder mehr auf Eigenproduktionen. Und der Trend zu regionalen und lokalen Gütern nimmt noch rasantere Fahrt auf. Das gibt vielfältige neue Chancen.

Und manches Mal zeigt sich auch längst Totgesagtes in neuer Stärke. deutlicher Krisengewinner bei der Mediennutzug war beim deutschen Publikum das Buch, das gedruckte Medium wohlgemerkt. E-Books waren sowieso schon im Trend, und sind es jetzt noch mehr. Kurz vor der Jahreswende berichtetet mit UTB einer der größten deutschen Wissenschafts-Buchverlage an seine Kunden über die Renaissance des Lehrbuches generell und dass es bei der Bestellung von gedrucktem Material eine deutliche positive Trendwende gegeben habe. Das gute alte Buch - wer hätte das gedacht. Ganz offensichtlich gibt es in Zeiten des Information Overload der ununterbrochenen digitalen Informationsströme, ein echtes Bedürfnis, sich mit einem Buch, das über den Tag und die Stunde hinaus bleibt, zurückzuziehen, zu entschleunigen und in ungestörter Ruhe, in eine substantielle Tiefeninformation abzutauchen.

Und manches Mal liegt die neue Produktchance sogar in dem Weg vom digitalen Produkt zum werthaltigen Printmedium. ein spannender Fall wurde erst kürzlich als Erfolgsgeschichte aus Südafrika gemeldet. "Daily Maverick", eine erfolgreiche Journalistische Investigativ-Plattform, kritisch gegenüber den Mächtigen im Land, wagte den Schritt in Print.  Man konzipierte eine Wochenzeitung mit gleicher journalistischer Ausrichtung. Dafür kooperierte man mit der zweitgrößten Supermarktkette des Landes. Ein Preis ist zwar auf der Titelseite aufgedruckt. Aber er steht aber nur auf dem Papier. Die Zeitung ist für die Kunden sogar umsonst erhältlich, im Rahmen des Kundenbindungsprogramms der Kette. Die Zeitung erscheint immer samstags, passend zum Wochenendeinkauf. Nur in den Filialen dieser Kette ist das Medium erhältlich. Es wird davon berichtet, dass die Hälfte der Abnehmer nur deswegen die Filialen betritt, um an dieses Qualitätsmedium zu kommen., Was natürlich dem Handel Chancen auf neue Kunden bringt. Eine Auflage von 20.000 Exemplaren ist jetzt schon im Umlauf, eine Erhöhung auf 25.000 gilt im nächsten Schritt als absetzbar. Die Supermarktkette bleibt Partner, auch als Anzeigen-Ankerkunde und sorgt somit für die Grundfinanzierung. Was für eine geniale, unternehmerisch-innovative Kombi! Gratiszeitung, Qualitätsjournalismus, nur am Point-of-Sale erhältlich, Printmedium und Handel vernetzt.

Auch dieses aktuelle Beispiel zeigt, was möglich ist. Was wir fürs neue Jahr brauchen, sind unternehmerischer Mumm und Einfallsreichtum. Es wird vieles gehen, was 12 Monate zuvor noch unvorstellbar schien.

In diesem Sinne: ein gutes Jahr 2021 und allen Unternehmensstrategen eine glückliche Hand!

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Januar 2021 auf www.markus-kiefer.eu)

Erschienen am 01/01/2021 10:30
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt
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