Professionelles Prompten
Gute Prompts sind selten das Ergebnis punktuell guter Eingaben. Vielmehr sollte ein systematischer Prozess dahinter liegen. Ein Buch aus der 30-Minuten-Reihe von GABAL zeigt, wie es geht.
Erleben Sie das ähnlich wie der Rezensent? Heutzutage verläuft kaum noch ein gegenseitiger Austausch im beruflichen Kontext, ohne dass die jeweiligen Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz berichtet oder abgefragt werden. Noch vor zwei, drei Jahren gab es (anonyme) Umfragen, denen zufolge rund zwei Drittel deutscher Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zwar am Arbeitsplatz mit Künstlicher Intelligenz operierten, aber ohne Wissen oder Einbezug des jeweiligen Chefs. Das dürfte sich gerändert haben, denn heute wird viel offener darüber gesprochen. Was sich hingegen nicht geändert hat: die allermeisten berichten immer noch über Experimente, erste Erfahrungen, erste positive oder gar positiv überraschende Resultate bei gut gewählten Prompts. Aber zumindest dem Verfasser dieser Zeilen ist bislang noch kaum ein Gesprächspartner berichtet, der über einen kontinuierlichen systematischen Einsatz von KI und dahinter liegende Prozesse berichten kann. Dabei wäre doch genau dies das anzustrebende Ergebnis, um echte Effizienzgewinne im Arbeitsalltag auf Dauer zu realisieren. Und dazu bedarf es gewiss mehr an digitaler Kompetenz, als nur den ein oder anderen eigenen Text mithilfe von Sprachmodellen a la ChatGPT aufzuhübschen oder einen Qualitätszufallstreffer dank eines überdurchschnittlich ausgedachten Prompts zu landen.
Wer seine Kompetenz in diesem Bereich mit persönlicher Weiterbildung verbessern möchte, muss gar nicht viel Zeit investieren. Denn die erfahrene KI-Beraterin und Hochschul-Dozentin Astrid Brüggemann hat ihre reichhaltige Erfahrung zwar schon in einem umfassenden Sachbuch ausgebreitet, aber nun auch in der "30 Minuten"-Reihe von GABAL Wissen in eine Schnelllektüre verdichtet. Das 96-Seiten Bändchen im handlichen Pocket-Format ist schnell gelesen, schnell nachvollzogen und ganz auf Anwendung bzw. Eigentraining ausgerichtet. Der Buchtitel "Prompting" ist eigentlich eine Untertreibung. Der Leser bekommt weit mehr als nur eine Anleitung zu intelligenten Eingabe-Befehlen an die Künstliche Intelligenz (KI). Dieses leistet die Verfasserin zwar selbstverständlich auch, vor allem im ersten Kapiteln, den Basics. Anhand von vielen Beispielen, anonymisiert aus der eigenen Beratungspraxis, zeigt sie typische Anfängerfehler und dann auch, wie alternative, besser und präziser formulierte Prompts zu optimierten Ergebnissen führen. Schnell versteht der Leser: Kontexte kann die KI nicht. Zusammenhänge, Vorgeschichte, Verbindungslinien, das muss der eigebende Nutzer schon selbst in seinen Eingabebefehlen leisten. Und er muss die Rolle definieren, mit der das Sprachmodell antworten soll, beispielsweise als erfahrener Personalverantwortlicher, der einen neuen Ansatz schildert, in einem Fachmagazin für HR-Leute, die Praxiswissen benötigen und keine fachwissenschaftliche, quellengesättigte Studie. Wenigstens ungefähre Vorgaben zum gewünschten Volumen sowie möglichst genaue zum gewünschten Ausspielformat (PDF, Tabelle, andere visualisierte Dartstellungen u.ä.) und gern auch einen realistischen Call-to-Action (was soll der Leser mit dem Text anfangen, ihn wofür nützen?) - so bekommt das eigene Prompten Kontur. Das sind Vorgaben, mit denen die Algorithmen arbeiten können.
Die drei Folgekapitel zielen auf fortgeschrittene Nutzung von KI, zur Lösung von komplexeren Aufgaben, tiefergehenden Analysen, von Strategiefindungen bis hin zu kreativen, innovativen Lösungen. Auch hier alles hinterlegt mit zielführenden Beispiel-Prompts. Aber gerade diese drei Kapitel zeigen auf, was - über das intelligente Formulieren von singulären Prompts hinaus - möglich ist, wenn man sich systematisch in das Feld einarbeitet. Die KI ersetzt nicht das eigene Denken, aber sie kann ein Sparringspartner für ein erleichtertes, qualitätsorientiertes Arbeiten gerade in beruflicher Hinsicht sein oder werden - wenn man es denn systematisch macht. Durch ständige Dokumentation von Workflows, durch den Aufbau einer eigenen Prompt-Bibliothek mit gelungenen Eingaben, durch eingebaute Qualitätsprüfungsprozesse zur Optimierung von Texten in mehreren Arbeitsstufen u.a. mehr.
Leser, die auf eine genaue Stärken-Schwächen-Analyse von prominenten KI-Modellen wie ChatGPT, Gemini u.a. hoffen, deren Erwartungen würden sich nicht erfüllen. Auf solche Empfehlungen verzichtet die Autorin bewusst. Sie breitet ihre Vorgehens- und Anwendungsempfehlungen hingegen eher so aus, dass sie unabhängig von spezifischen Modellen genützt werden können. Dies und die vielen konkreten Beispiele, von denen manche sogar 1:1 leicht in der eigenen Praxis der Leser übertragbar bzw. direkt einsetzbar sind, sind die beiden großen Pluspunkte dieser zügigen Erkenntnisgewinn bringenden Fachlektüre.
Markus Kiefer
(Kolumne von Markus Kiefer vom 15. Januar 2025 auf www.markus-kiefer.eu)
Empfehlung
Astrid Brüggemann, Prompting, GABAL, Offenbach 2025, 96 S., ISBN 9783967392388, Euro 10,90
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