Selbsterforschung für Trainer und Dozenten
Ein Workbook, zugleich praktische Anleitung und Theorievermittlung, zur weiteren Professionalisierung vor allem angehender Trainer, Dozenten und Berater.
Vielen Fachbüchern wird ein Rezensent ja bereits durch die grobe Angabe der Gliederung gerecht. Vielfach reicht das ja fast schon aus, um in Buchbesprechungen den Kernansatz von Publikationen schnell nachvollziehbar zu machen. Bei diesem "Train the Trainer"-Buch, vorgelegt Theresia Amelang und Frank Michael Orthey, zwei erfahrenen Praktikern, ist das nicht ganz so. Denn der Aufbau in nur fünf Kapiteln kommt eher unspektakulär daher: Basics aus etablierten Lerntheorien - Entwicklung von Seminarkonzepten - Arbeit mit Gruppen - Entwicklung der eigenen Rolle und dazu passender Kommunikation - nachwirkender Abschluss von Bildungsveranstaltungen.
Auf den 342-Paperback-Seiten wird viel Grundsätzliches zu den fünf Hauptthemen breit ausgerollt. Aber auf eine sehr lebendige Weise. Die souveräne, durchaus ausführliche Darstellung bewährter Theorien und Modelle aus Pädagogik, Psychologie und Sozialwissenschaften (z.B. zur Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn, zur Transaktionsanalyse oder zur Gruppendynamik oder markante Bausteine aus der Lehre des einschlägigen, mittlerweile verstorbenen Wirtschaftspädagogen Karl-Heinz Geißler) wird niemals langatmig. Denn es erfolgen schnelle Wechsel mit verschiedenen Tools, die der aktive Leser zu Selbstklärungen und für künftige eigene Anwendungen nützen kann -, wie z.B. Skalen, Tabellen, Checklisten oder Fragebögen zur Anwendung des Gelesenen auf das eigene Tun, geeignet auch zur Anschluss-Reflexion mit vertrauenswürdigen Lernpartnern. Oder durch weiterführende Online-Quellen, zu denen der Käufer des Buches Zugangs per Download hat. Dort findet er zumeist Material zur praktischen Konkretisierung, vor allem in Bezug auf Methoden. Hinzu kommen Übungsaufgaben, knackige Kapiteleinleitungen und sehr orientierende Kompaktzusammenfassungen am jeweiligen Kapitelende. Zur auflockernden Lektüre tragen vielfach optische Elemente bei. Amelang und Orthey halten nicht nur theoretische Plädoyers zugunsten von Visualisierung im Trainingsbetrieb. Sie leben das in ihrem Lehrbuch beneidenswert gut vor. Da gibt es vielfach erhellende Beispiele aus der eigenen Seminardokumentation oder die Photographie von gestalteten Metaplanwänden, aussagekräftige Fotos von Seminarsituationen, beispielsweise beim Einsatz von Lern-Plakaten. Die zahlreichen Mini-Flipchart-Zeichnungen, ergänzend zum Text, tragen und verdichten nicht nur die Lektüre. Sie sind eine exzellente Inspiration, das ein oder davon in den eigenen Trainingseinsatz zu übernehmen, was in vielen Fällen fast 1:1 denkbar wäre, und zwar themenübergreifend. Gerade für Seminareröffnungen oder -Fortsetzungen.
Amelang und Orthey nennen ihr Werk im Untertitel "Das Workbook". Das ist es zweifellos, aber der Untertitel verkürzt die mögliche Wirkung der Lektüre. Denn diese ist keinesfalls theoriefrei, ganz im Gegenteil. Und das ist auch gut so. Denn das Kernanliegen der Autoren ist ja die Professionalisierung und differenzierte Rollenklärung für ihre lesende Klientel. Und das ist ohne Rückgriff auf bewährte Größen der Wissenschaft eben nicht billig zu haben. Insofern ist das Buch nicht nur ein Arbeitsbuch zur Aneignung von praktischen Methoden. Es ist eine ausgereifte Handreichung für die gewissenhafte Selbsterforschung und Bewusstmachung für Trainer, Dozenten, Moderatoren und Berater.
Geeignet ist das Arbeitsbuch wohl weniger für die Planung von Tagesseminaren oder dreistündigen Workshops. Sondern eher von länger laufenden Kursen, Qualifizierungen etc. Insbesondere jüngere Trainerinnen und Trainer finden hier eine hoch geeignete Grundlage für den Aufbau eines wirklich professionellen Tuns. Denkbar sind hier auch angehende Hochschuldozenten und Dozenten, die bei ihren ersten Versuchen schnell merken werden, wie lang ein Semester sein kann, und das wöchentlich zu gebende Seminare nicht allein durch die pure Stoffvermittlung zu einem Erfolg werden. Aber auch alte Hasen des Geschäfts werden sicherlich noch durch Anregungen bereichert werden. Selten hat der Rezensent, ja selbst Hochschullehrer und vielfach in der Weiterbildung aktiv, beispielweise so ausgereifte Überlegungen und auch konkrete Tools für den gelungenen Abschluss von Bildungsveranstaltungen andernorts gelesen. Ähnliches gilt für die Auftaktsituationen am ersten Tag oder bei der Fortsetzung einer Seminarreihe. Wo es um stilvolle Begrüßungen, Aufnehmen und Abbauen von Ängsten und Befürchtungen oder bei Fortsetzungen um den Wiederanschluss an schon Gelerntes geht. Da ist noch vieles zu entdecken, womit man selbst die bewährte eigene Praxis durchaus optimieren könnte.
Natürlich lässt sich im Weiterbildungsbereich vieles auch durch Erfahrung und Routine und gut gemachte Wiederholung meistern. Wer aber nach der Herausforderung sucht, nach der Optimierung seiner Rolle(n) und Methoden, seiner Konzepte und Feinplanungen, wer bereit ist, eigene Praxis selbstkritisch auf den Prüfstand zu stellen oder aber die Schnittmengungen bzw. Grenzüberschreitungen zur beratenden Tätigkeit zu entdecken - der wird in diesem Buch eine ebenso herausfordernde wie zugleich locker unterhaltende, vielfach anregende Lese-Hilfe finden.
Markus Kiefer
(Kolumne von Markus Kiefer vom 15. März 2026 auf www.markus-kiefer.eu)
Empfehlung
Theresia Amelang/Frank Orthey, Train the Trainer: das Workbook. Kompetenzentwicklung für Trainer und Moderatoren, manager Seminare Verlags GmbH; Bonn 2025, 342 Seiten, ISBN 9783949611391, ? 49,90
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