Überzeugendes Sinn-Angebot schlägt Monetäres

Welches Angebot müssen Unternehmen machen? Wie überzeugt heute kommunikativ am Arbeitsmarkt?

Angesichts des Fachkräftemangels und mit Blick auf Personalmärkte, die sich inzwischen vielerorts einseitig als Arbeitnehmer-Märkte positionieren, in denen die Unternehmen mit (fast) allen Mitteln um qualifizierte Bewerber kämpfen müssen, ist guter Rat zunehmend teuer. Vor allem im Mittelstand. Kleine und mittelgroße Mittelständler können ihren kommenden Beschäftigten ja keine Betriebskindergärten zur Betreuung während der Arbeitszeit bieten, wie das DAX-Größen tun können. Klar, einen Platz für tägliche frische Obstkörbe, wenn auch vielleicht nicht auf jedem Schreibtisch, wird man schon finden. Einen Tischkicker zur Entspannung kann man schnell mal irgendwo unterbringen. Und einen Platz zum Aufhängen einer Darts-Scheibe wird sich ja wohl noch finden lassen. Aber weitgehende Umbauten, um den modernen architektonischen Erfordernissen von New Work in seinen altehrwürdigen Hallen gerecht zu werden? Da werden viele Unternehmer zucken. Zu Recht. Das ist nicht nur eine Frage von Budgets. Denn es lässt sich schließlich nicht jeder Betrieb einfach auf- und umrüsten, mit Einbau von Fitness-Studios und eigenen Relax-Lounges. Und das Bereitstellen von Gutscheinen für die Nutzung externer Fitness-Studios und anderer Einrichtungen? Vielleicht. Boni und Zusatzgratifikationen? 4-Tage-Woche auf Dauer?Mhhh würde Management-Vordenker Reinhard K. Sprenger, bedenklich mit dem Kopf schütteln. 

Mit Speck mag man Mäuse fangen. Aber man sollte den jüngeren Generationen nicht allzu sehr und vor allem nicht allzu aufdringlich mit den Verlockungen der Geldbündel kommen. Und auch nicht allen Modeerscheinungen aus den Bauchläden der Personalabteilungen gigantischer Konzerne hinterlaufen. Gerade die Personalverantwortlichen in mittelständischen Betrieben sollten hier grundsätzlicher denken. Und die Vorzüge mittelständischer Betriebe vor allem in Familienhand voll ausspielen. Und das sind in erster Linie die Kontinuität des unternehmerischen Tuns. Solche Betriebe sind den Willküren der Aktienmärkte und hektischer Investoren gar nicht erst ausgesetzt. Und sie fallen auch nicht beim ersten Gegenwind um. Sie leben Werte und Einstellungen, über die Generationen-Stabwechsel des jeweiligen Eigentümers hinaus. Sie verfolgen überzeugende Strategien, teils über lange Zeiträume ungebrochen, mit ökonomischem Ertrag immer wieder bestätigt.

Dies sind Stärken, mit denen zu wuchern ist. Die heute Jungen ticken anders als die Babyboomer. Die Generationen X, aber erst recht Y und Z stellen ganz andere Fragen. Konsum-Orientierung steht nicht an erster Stelle. Das persönliche Fortkommen um jeden Preis schon gar nicht. Karriere-Pläne, die mit hochgekrempelten Ellenbogen und ohne Rücksicht auf Verluste in Top-Etagen führen sollen - so denken und handeln nur noch wenige Einzelne. Dafür steht die Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen ganz hoch im Kurs. Und die Sinn-Frage. Wofür arbeite ich? Welchen Beitrag leistet mein künftiger Arbeitgeber für das Gemeinwohl - vor Ort und für eine bessere Welt? Und zwar glaubwürdig und nachweisbar. Man muss ja nicht jedem Schnickschnack der seit Jahren grassierenden Purpose -Debatte nachlaufen. Da werden viele Leitbilder und Hochglanzbroschüren ausgereicht, mit der Anmutung, künftig zu den Welt-Rettern zu zählen. Und dennoch lässt sich aus der Anziehungskraft dieser Purpose-Debatte durchaus ein naheliegender Schluss ziehen. Auch wenn er nicht neu ist und gute Unternehmens- sowie Kommunikations-Strategien das über die klassischen Kategorien Mission und Vision schon immer aufgegriffen haben. Die heutigen und ganz sicher die kommenden Generationen legen erkennbar mehr Wert als Arbeitssuchende es früher taten, auf Antworten zu diesen Fragen: Werde ich einen Beitrag dazu leisten, dass die Welt morgen besser wird. Durch meine Arbeit, in meiner Arbeit, und in einem Unternehmen, für das es sich in dieser Hinsicht lohnt zu arbeiten?

Für Unternehmen wird es zukünftig entscheidend sein, diese Glaubwürdigkeits-Tests zu bestehen. Nachvollziehbare Antworten auf diese immer drängender gestellten Sinn-Fragen werden die Arbeitnehmer von morgen vermutlich weit mehr überzeugen als neumodische Innenarchitekturen und reines Denken in Boni und geldwerten Vorteilen. 

Markus Kiefer

(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. März 2024 auf www.markus-kiefer.eu)

 

 

 

 

Erschienen am 01/03/2024 08:52
von Markus Kiefer
in der Kategorie : Auf den Punkt
Teilen :