Unter Mintzbergs 10 klassischen Management-Rollen ist heute eine ganz besonders gefragt
Der Störungs-Manager - unter den 10 Rollen in Mintzbergs bahnbrechenden Management-Studien ist eine heute von herausgehobener kommunikativer Bedeutung.
Henry Mintzberg gilt als einer der einflussreichsten Managementtheoretiker weltweit. Seine empirischen Studien haben traditionelle Vorstellungen vom Management hinterfragt und bieten eine differenzierte Sicht auf die vielfältigen Kommunikations- und Entscheidungsaufgaben von Führungskräften im modernen Organisationsumfeld. Sein Modell wird sowohl in der akademischen Lehre als auch in der Praxis breit angewandt und weiterentwickelt.
Henry Mintzberg unterteilte das Management in seinen bahnrechenden Studien in zehn kommunikative Rollen, die sich wiederum in drei Kategorien gliedern: interpersonale, informationelle und entscheidungsbezogene Rollen. Diese Kategorien beschreiben unterschiedliche Schwerpunkte des Managements: Interpersonale Rollen betreffen den Umgang mit Menschen und Beziehungen, informationelle Rollen fokussieren auf das Sammeln und Weitergeben von Informationen, und entscheidungsbezogene Rollen beziehen sich auf das Treffen von Entscheidungen und das Lösen von Problemen.
Zusätzlich lassen sich die zehn Rollen danach unterscheiden, ob sie vorwiegend interne oder externe Kommunikation betreffen: Interne Kommunikation dominieren die Führungskraft (Leader), der Übermittler (Disseminator), der Störungsmanager (Disturbance Handler) und der Ressourcenverwalter (Resource Allocator), während externe Kommunikation vor allem durch den Repräsentanten (Figurehead), den Vernetzer (Liaison), den Sprecher (Spokesman), den Unternehmer (Entrepreneur) und den Verhandlungsführer (Negotiator) geprägt wird; der Beobachter (Monitor) agiert meist intern, sammelt aber auch externe Informationen.
In der heutigen Situation multipler Krisen gewinnt die Rolle des Störungsmanagers in der internen Kommunikation besonders an Bedeutung, da sie für das Erkennen und Bewältigen unerwarteter Störungen verantwortlich ist, die den reibungslosen Ablauf im Unternehmen gefährden können. Für mittelständische Unternehmen, sagen wir in einer Größenordnung zwischen 100 bis 1.000 Mitarbeitern, lassen sich drei aktuelle Interpretationen dieser Rolle ableiten.
Erstens ist eine enge Zusammenarbeit und ein intensiver Informationsaustausch zwischen verschiedenen Abteilungen entscheidend, um Störungen schnell zu erkennen und zu beheben. Wenn beispielsweise in einem Produktionsbetrieb die IT-Abteilung sofort über einen Maschinenausfall informiert wird, kann sie technische Ursachen rasch prüfen, während gleichzeitig der Kundenservice Kunden proaktiv über mögliche Lieferverzögerungen informiert. Solche abteilungsübergreifenden Kommunikationsprozesse ermöglichen eine schnellere Problemlösung und minimieren negative Auswirkungen auf den Betrieb.
Zweitens ist ein unterstützendes Arbeitsumfeld mit einem ausgeprägten Sicherheitsbewusstsein wichtig, damit Mitarbeiter auch in Krisenzeiten motiviert bleiben und gut informiert sind. Ein Beispiel hierfür ist ein Unternehmen, das regelmäßige Updates zur aktuellen Lage gibt und gleichzeitig psychologische Unterstützung anbietet, um Ängste abzubauen und das Vertrauen in die Führung zu stärken.
Drittens ist empathisches Zuhören durch Führungskräfte zentral, um Konflikte zu reduzieren und gemeinsam Lösungen zu finden; so kann der Störungsmanager als Vermittler zwischen Mitarbeitern und Management fungieren. Praktisch bedeutet dies etwa vermehrte Einzelgespräche in akuten Krisensituationen, in denen Führungskräfte aktiv zuhören, Sorgen ernst nehmen und durch offene Fragen helfen, Probleme klarer zu verstehen - was die Zusammenarbeit verbessert und Konflikte entschärft.
Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere in komplexen Krisensituationen wie heute die Rolle des Störungsmanagers innerhalb der internen Kommunikation zentral für die Resilienz mittelständischer Unternehmen ist.
Markus Kiefer
(Kolumne von Markus Kiefer vom 1. Juli 2026 auf www.markus-kiefer.eu)
Unterstützende Belege:
- Die Bedeutung intensiver inter- und intradepartmentaler Kommunikation zur schnellen Erkennung und Behebung von Störungen wurde anhand einer Untersuchung zur Wertschöpfung durch effektiven Informations- und Wissensaustausch zwischen Fertigungsunternehmen und Kunden belegt (Hussain, 2017).
- Die Wichtigkeit eines unterstützenden Arbeitsumfelds sowie eines ausgeprägten Sicherheitsbewusstseins für effektive interne Krisenkommunikation wurde durch eine Studie zur Integration von CRM, Lean-Praktiken und IT-Nutzung zur Verbesserung operativer Leistung bestätigt (Vendrell?Herrero et al., 2020).
Die Recherche nach Studien und aktuellen Belegen für die Ausführungen im letzten Absatz erfolgte mit Hilfe von Consensus, einer AI-gestützen Suchmaschine, die vor allem im wissenschaftlich-akademischen Kontext genützt wird.
References
Hussain, S. (2017). Value creation potential through effective information and knowledge exchange between manufacturing firms and customers. **.
Vendrell-Herrero, F., Bustinza, O., & Opazo-Basáez, M. (2020). Information technologies and product-service innovation: The moderating role of service R&D team structure. Journal of Business Research. https://doi.org/10.1016/j.jbusres.2020.01.047 (letzter ABruf am 12.3.2026)
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