Kommunikation in der Transformation geht deutlich weiter als klassische Changekommunikation
Andrea Montua, ausgewiesene Expertin und etablierte Beraterin für Interne Kommunikation, hat einen Band in der Reihe "Springer Essentials" über Kommunikation in der Transformation von Unternehmen und Organisationen vorgelegt.
Mit Blick auf den Untertitel des hier zu rezensierenden "Springer-Essentials" dürfte die Erstreaktion jeden Kenners der akademisch-wissenschaftlichen Literatur ziemlich sicher sein: Noch ein Buch zur Change-Kommunikation? Ist die Veränderungskommunikation in den letzten Jahrzehnten doch schon ein stark beackertes Themenfeld in der Managementforschung, in der Corporate Communications, in der Organisationsentwicklung. Was soll da schon Neues kommen? Tatsächlich ist die klassische Veränderungskommunikation nicht das Anliegen von Andrea Montua. Die Autorin ist etablierte Beraterin von großen und kleinen Unternehmen und von Organisationen, einschlägig insbesondere in allen Formaten der Internen Kommunikation. Ihr Anliegen und ihre Kernkompetenz ist der innere Wandel von Organisationen. Es geht ihr um die gelebten Werte, um die Kultur, für die ein Unternehmen steht. Um den Zusammenhang mit Konzepten wie Vision, Mission und Purpose.
Daher trennt sie eingangs begrifflich deutlich zwischen den Begriffen Change (Wandel) und Transformation: "Change ist eine Anpassung innerhalb einer bestehenden Kultur und vorhandener Strukturen. Prozesse, Tools oder Strategien ändern sich, aber das Grundgerüst bleibt bestehen" (S. 3). Als Beispiel nennt sie den Prozess der Einführung einer neuen Software. Dagegen stellt Montua ihr Verständnis von Transformation: "Transformation geht tiefer. Sie verändert nicht nur das Wie, sondern das Warum, das Was und oft auch das Wer. Es geht um einen grundlegenden Wandel der Kultur und Identität eines Unternehmens" (S. 3). Als Beispiel führt sie die Weiterentwicklung eines traditionellen Industrieunternehmens in einen digitalen Dienstleister an.
Transformation in diesem Sinne ist das Kernanliegen der Autorin, bei aller Anerkennung von Schnittmengen zwischen den beiden Ansätzen. Der schmale 60-Seiten-Band ist überzeugend aufgebaut: in fünf Hauptkapiteln, diese jeweils eingeleitet drei Haupt-Thesen und von einem konkreten, anschaulichen, fiktionalisierten Beispiel aus dem betrieblichen Alltag und abgeschlossen von drei konkreten Take Aways aus der Kapitel-Lektüre. Dieser Aufbau wird stringent durchgehalten.
Im Kapitel 1 beschreibt Montua die Erfolgsfaktoren von Veränderungen. Etablierte Konzepte der Veränderungskommunikation wie beispielsweise von Beckhard & Harris, von Streich und Kotter bezieht sie ein. Im Anschluss an Kotter schlägt sie eine Veränderungs-Roadmap vor, die, in unterschiedlichen Zeitphasen agierend, unterschiedliche Ziele setzt. Betont wird, dass es vor allem in größeren Unternehmen sehr unterschiedliche Zielgruppen gibt, die differenziert zu adressieren die eigentliche Kommunikationskunst wäre. Um diese effektiv zu erreichen, schlägt die Autorin die Entwicklung von Personas vor und veranschaulicht dies gekonnt exemplarisch (u.a. "Anna, die Kundenversteherin", "Markus, der Tech-Enthusiast", "Fatima, die Brückenbauerin").
Kapitel 2 geht auf die Emotionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, vor allem auf deren unterschwelligen oder gar explizit geäußerten Ängsten vor Veränderungen. Als Grundlage nutzt Montua die Folie der privaten und beruflichen Lebensmotive nach Steven Reiss. Sie betont die Bedeutung des Konzepts von Psychologischer Sicherheit und wie erfolgskritisch die Beteiligung der Belegschaft bereits am Anfang jeglichen Wandels ist. Welche Methoden sind zur professionellen Bearbeitung von Ängsten hilfreich? Die Expertin nennt: Anonyme (digitale) Stimmungsbarometer, offene Dialogrunden, individuelle Gespräche und Storytelling (von Erfolgsgeschichten).
Kapitel 3 bearbeitet die Rollen von Führungskräften, Kommunikationsmanagern und HR-Verantwortlichen im Wandel - bei der Überwindung früher Widerstände, bei der Entwicklung von unterstützenden Netzwerken und der Identifikation von informellen Meinungsführern und ihrer Entwicklung zu Promotoren und Multiplikatoren der positiven Effekte von Wandel.
Kapitel 4 führt die zentrale Bedeutung von gelingender Kommunikation an. Die nötige Frequenz von Information und Kommunikation wird diskutiert. Die passenden Kommunikations-Kanäle werden reflektiert und deutlich gekennzeichnet: Wann ist eine E-Mail-Kommunikation geboten oder ein anderer Weg im Intranet, wann ein Townhall-Meeting oder eine Video-Botschaft des CEO, wann hilft nur noch ein persönliches 1:1-Gespräch? Das Stärken-/Schwächen-Profil der wichtigsten persönlichen, analogen, digitalen Kommunikationswege auf S. 41/42 ist ein Glanzstück des Buches. Montua schlägt weiterhin die Nutzung des "Golden Circle" von Simon Sinek vor, mit der schlüssigen Beantwortung von Why, How und What - in dieser Abfolge. Abschluss des Kapitels: Die Notwendigkeit des Sichtbarmachens von Quick Wins in der Transformation wird sehr deutlich.
Kapitel 5 anerkennt die Schlüsselstellung von Storytelling. Montua unterscheidet die Ansätze von allgemeinen Narrativen (oft unterschwellig und implizit in Organisationskulturen verankert) und ausformulierten, anschaulichen Erfolgs-Stories. Sie beschreibt den Aufbau von "Heldengeschichten" und zeigt anschaulich auf, wie Menschen mit Geschichten nachhaltiger beeindruckt und geführt werden können als mit einer bloßen Abfolge von Informationen, so substantiell diese auch sein mögen.
An welche Leser wendet sich das Buch vorrangig? In Ihrem abschließenden Dankeswort nennt die Autorin sie explizit: Führungskräfte, HR-Manager, Kommunikationsmanager, Organisationsentwickler. Der Rezensent kann sich allerdings auch vorstellen, das gesamtverantwortliche Managerinnen und Manager, Unternehmens-Strategen diesen Band mit hohem Erkenntnisgewinn lesen könnten. Gerade in diesen Kreisen ist das Verständnis von gekonnter Kommunikation (nicht gleichzusetzen mit Information) nicht immer ausgeprägt genug. Prozeßkommunikation schlägt in der Transformation die routinierte, reine Ergebniskommunikation immer um Längen. Das sollte nach der schnellen Lektüre auch ohne große eigene Detail-Kompetenz in der Unternehmenskommunikation in jedem Fall bewusst hängen bleiben.
Natürlich gibt es die ein oder andere Stelle im Buch, wo man sich mehr Ausführung vorstellen könnte. Nur ein Beispiel: der vorgeschlagene tägliche 5-Minuten-Check-In (durch die Führungskraft mit seinem Team). Mit welcher Impulsfrage startet man so etwas und wie schafft man da Varianz, wenn man das täglich macht und durchhalten will? Dies wünschte man sich konkreter. Das gilt auch für einige der vorgeschlagenen Tools und Methoden, die nur genannt, aber nicht erklärt werden. Aber es ist auch anzuerkennen, es ist eben (nur) ein kurzes "Springer Essential", das einen Sachverhalt so kompakt und so kurz wie möglich rüberbringen soll. Und Montua geht da mit ihren 60 Seiten schon weiter als in diesem Format (meistens) üblich. Und: Sie bietet dem Leser als zusätzlichen Service noch eine Landing-Page mit weiterführenden Checklisten, Cases etc. Das zahlt dann wiederum als Bonus auf das Konto der Anschaulichkeit ein.
Noch eine Idee für evtl. Weiterbearbeitung, Zweitauflagen etc.: Spannend wäre, wenn als Gegenpol zu dem fiktionalen Praxisbeispiel am Beginn des Kapitels dann auch am Ende eine fiktionalisierte Szene mit erfolgreicher Umsetzung eines der vorgeschlagenen Konzepte stehen würde.
Alles in allem: "Springer Essentials" sollen den State of The Art kompakt vermitteln und Impulse aus Wissenschaft und erfolgreicher Praxis setzen. Diesen Anspruch setzte Andrea Montua mit ihrem Transformations-Band, als Print wie als E-Book erhältlich, gleichermaßen locker wie gekonnt um.
Markus Kiefer
(Kolumne von Markus Kiefer vom 15. November 2026 auf www.markus-kiefer.eu)
Empfehlung
Andrea Montua, Transformation begleiten. Mit starker Führung und klarer Kommunikation den Wandel gestalten, Springer Gabler, Wiesbaden 2025, 60 S., Euro 14,99, ISBN 978-3-658-48529-0
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